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Frankfurt Halbmarathon Invitational
  12.09.2020 •     Berichte


Helmut Schaaake. Frankfurt. Der Kleinste im Elitefeld beim Ausscheidungsrennen in Frankfurt für die Halbmarathon WM war am Ende der Größte . Der 28-jährige Breidenbacher Alexander Hirschhäuser wuchs über sich hinaus und pulverisierte seine Bestzeit um über 4 Minuten. Dabei stellte als er Gesamtsechster und drittbester Deutscher nach 64:31 Minuten einen neuen Regionsrekord auf.

Seit Corona ist alles ganz anders und auch der Frankfurt Marathon fiel der Pandemie zum Opfer. Dort, wo beim Frankfurter Marathon am 25.Oktober über 15 000 Läuferinnen und Läufer am Start stehen sollten, wurden am letzten Sonntag lediglich 34 ausgewählte Elitelangstreckler im Messeglände zum Wettkampf zugelassen. Alles war ruhig, Zuschauer waren nicht zugelassen und auch der stimmgewaltige Arthur Schmidt, der das Rennen kommentierte und die Trainer mussten akkreditiert sein. Abgesichert hinter nahezu verschlossenen Türen und umgeben von hohen Zäunen war ein Drei- Kilometer- Rundkurs abgesteckt worden. Dieser war sieben Mal zu durchlaufen. Unter regelkonformen Rahmenbedingungen wurde ein Ausscheidungsrennen für die WM-Norm (unter 64 Minuten als Qualifikation) für die auf den 17. Oktober verschobenen Weltmeisterschaften in Gdynia ausgetragen. Trotzdem waren alle Teilnehmer froh, dass man hier am frühen Morgen laufen durfte und die wenigen zugelassenen Trainer waren bester Stimmung. Extra angereist aus dem Höhentrainingslager Sankt Moritz war der spätere Sieger, der gebürtige Eritreer  Amanal Petros im Trikot des TV Wattenscheid, der dann auch über die 21,0975 Kilometer lange Halbmarathondistanz in 1:03:31 Stunden der  Männer-Konkurrenz keine Chance gab und seiner Favoritenrolle gerecht wurde.

Nicht nur dabei, sondern auch in der Spitzengruppe war Alexander Hirschhäuser (ASC Breidenbach).

In diesem internationalen Feld rollte Alexander Hirschhäuser einfach mit als ob er schon immer dazu gehörte. Allerdings muss man auch bedenken, dass er 28-Jährige in diesem Jahr einen Leistungssprung vollzogen hat, der schon außergewöhnlich ist: Von 5000 Meter in 14:17,12 Minuten und 10 000 Meter in 29:33,09 Minuten verbesserte er sich jetzt von 68:58 auf 64:31 Minuten. Was dann das 1,74 Meter große und nur 58 kg schwere  Energiebündel Alexander dann ablieferte, war allergrößte Laufkunst. Sein Talent, die Willenskraft und den Kampfgeist  hat er sicher von seinem  Vater und Trainer Walter Hirschhäuser, der schon in den 70er und 80er Jahren zu den besten Langstreckler in Hessen gehörte. Alexander Hirschhäuser lebt in Marburg und arbeitet an seiner naturwissenschaftlichen Doktorarbeit. Neben der Arbeit reicht die Zeit nur für eine Einheit am Tag, die er mit einer größerer Intensität als früher mit Wochenumfängen von bis zu 130 Laufkilometern absolviert. Bei seiner Tempoarbeit im Georg-Gassmann Stadion zusammen mit seinem Vereinskameraden Kilian Schreiner, der den alten Halbmarathonregionsrekord mit 66:20 Minuten , puscht man sich wie zu Höchstleistungen.

 Zum Rennen:

Die 10-Kilometer-Marke durcheilte er in 30:20 Minuten und auch danach waren alle Kilometerabschnitte gleichmäßig, wobei an jedem Kilometerabschnitt eine Uhr stand.   Im Gespräch sagte er: „Es gab für mich nur ein Motto: so lange wie möglich in der Spitzengruppe mitzulaufen und möglichst langsam zu sterben. Es war dann nur eine Frage der Zeit, wann ich hier aus der Gruppe mit dem elitären Feld, in dem sich unter anderem auch der Deutsche Marathonrekordhalter Arne Gabius (der später wegen Atemproblemen das Tempo herausnahm) befand. Es galt, locker und ruhig zu bleiben. Zwei Runden vor Schluss hatte ich dann aber doch das Gefühl, dass eine Runde hier zu viel ist. Überraschenderweise bekam ich aber in der Endphase einen Motivationsschub, als ich solch schnelle Läufer aus der absoluten Deutschen Spitzenklasse wie Simon Boch und Tom Gröschel neben mir sah.  Durchkommen oder sterben, es gab nur zwei Optionen. Angriff ist die beste Verteidigung und so sprengte ich letztendlich die Gruppe. Dass es am Ende Platz sechs wurde und ich drittschnellster Deutschen war, hat mich selbst überrascht. Die WM-Norm von 64:00 war nicht zu schaffen, das war mir eigentlich schon bei der Hälfte klar, aber das Rennen mit dem dichten Zieleinlauf hat mir  gezeigte, wo der Weg mit dem nötigen Trainingsfleiß  hingehen kann.“

Zieleinlauf: 1. Amanal Petros (TV Wattenscheid) nach 63:31 ; 2. Mohamed Ali (Ned) 1:04:51; 3. Kidane Solmon 8Eri) 1:04:15; 4. Simon Boch (LG Regensburg) 1:04:28; 5. Tesfay Felfele (Er´RI) 1:04:30; 6. Alexander Hirschhäuser (ASC Breidenbach) 1:04:31;

Das Frauenrennen wurde von der gebürtigten Äthioperin  Melat Kejeta aus Kassel in 1:09:04) ganz überlegen gewonnen. Zweitplazierte war die Regensburgerin Miriam Dattke (1:12:09).  Lokalmatadorin Katharina Steinruck (LG Eintracht Frankfurt) wurde  Dritte und belegte den letzten noch übrigen Platz in der Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit neuer Bestzeit von  1:12:23 Stunden .